blank-TV - Interview: Alexander Albrecht

19. May 2007 14:27 Uhr - 3 Comments
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MaddogDas erste iFNG fand vor fast fünf Jahren im Future Point statt. Mit welchen Gefühlen erinnern sie sich heute daran zurück?

Eine gute Frage. Wir schauen immer in die Zukunft und deshalb nehmen wir uns nie so viel Zeit in die Vergangenheit zu sehen. Aber wenn ich mir, wie letztens, ein paar Bilder aus dem Future Point anschaue - da hatten wir zum Beispiel diese Kaffeetische hinten - war es alles sehr viel privater und gemütlicher. Es war ein kleiner Kreis von Menschen, die sich dafür begeistern konnten. In gewisser Weise waren es Pioniere,, auf die wir aber auch angewiesen waren, damit, wenn wir so ein Programm anbieten, auch jemand kommt und es sich anschaut. Insofern bin ich sehr froh, dass wir so angefangen haben und nicht gleich explodiert sind, sondern alles langsam aufbauen konnten. Ich wünsche mir diese Zeit auf gar keinen Fall zurück, aber es ist eine sehr schöne Erinnerung.

Erinnern sie sich noch daran, wie die Idee des Friday Night Games entstanden ist, dass man überhaupt so ein Wagnis eingeht, jeden Freitag eine Event auszurichten?

Immer wenn wir etwas gemacht haben, wollten wir einen Meilenstein setzen. Die ESL und Turtle Entertainment haben immer schon eSport gemacht. Somit war es für uns der nächste Schritt zu sagen wir, machen eine Liga mit hohem Preisgeld – was auch damals nicht Neues gewesen wäre – aber die Komponente, dass wir jeden Freitag eine solche Offlineveranstaltung haben, gab es noch nicht. Gerade damals war es ein ganz großes Thema, dass man nicht nur Online spielt, sondern, weil auch das Cheating ohne Aequitas etwas problematisch war, sagt wir holen die Toppaarungen in eine Location. Von daher machte es nur Sinn hinzugehen und zu sagen, wir machen das Ganze auch für Zuschauer.

Wenn man sich die Bilder von damals anschaut, sieht man, dass die ersten Besucherzahlen noch gering waren. Hatten sie mal Befürchtungen, dass es schief gehen könnte?

Absolut nicht. Wir haben nie zusammenhangslos Events veranstaltet, sondern immer mit einem festen Userstamm, der sich mit uns für diese Sachen begeisterte. Insofern haben wir immer daran geglaubt, dass wir ein großes Entwicklungspotenzial haben, auch weil die gesamten Zahlen der ESL Jahr für Jahr mehr geworden sind. Natürlich, bei den ersten Malen hatten wir 50-80 maximal 200 Leute bis der Future Point voll war. Im Tanzbrunnen haben wir locker 1500 Menschen, die an einem solchen Abend hier sind. Das ist selbstverständlich ein gewaltiger Sprung, aber Angst hatten wir nie. Und wenn, dann haben wir das Ganze halt nur für uns gemacht und das war schon gut. (lacht)

Das Konzept mit Vorinterview, den Spielen und - ab der zweiten Saison - Raffels hat sich seither kaum verändert. Warum ist es so erfolgreich?

Es hat sich einfach etabliert. Des weiteren bleibt das Konzept auch immer wieder frisch, da es jedes Mal Leute gibt, die ein iFNG zum ersten Mal besuchen. Hinzu kommt, dass wir für die Zuschauer, die sich den ganzen Abend unterhalten lassen möchten, diverse Side-Events anbieten, durch die Abwechslung geboten wird. Insofern haben wir zwar den Rahmen verändert, aber am eigentlichen Programm kann man nicht viel verändern, weil dort der Sportgedanke im Vordergrund steht. Ansonsten kommt es darauf an, dass wir dem Zuschauer vor Ort durch den Shop oder auch das Catering, welches sich immer mehr verbessert, noch einen gewissen Mehrwert bieten können. Ich glaube, dass wir dort große Fortschritte gemacht haben.

Sie sagten eben das Publikum bestand früher aus Pionieren. Wie haben sich die Zuschauer verändert?

Das Publikum ist sehr viel jünger und weiblicher geworden. Damals waren zwar auch immer ein zwei Frauen da, aber dennoch konnte man lange suchen. Mittlerweile messen wir Quoten von locker 10 Prozent, was beispielsweise mehr als in der ESL ist, wo wir eine Verhältins von 98 zu 2 Prozent haben. Auf Events verschiebt sich diese Quote, denn Jugendliche sehen es als ihre Abendbeschäftigung, bevor sie in den Club gehen. Vielleicht nehmen sie auch ihre Freundin mit und zeigen ihr das Ganze in einem sehr coolen Rahmen. Denn cooler, als wenn man vor dem PC sitzt und sagt: „das ist eSport“, ist es natürlich auf ein Event zu gehen und zu zeigen „dass sind andere Leute, die auch mit mir online spielen“. Auf diesem Wege ist es auch eine gute Beschäftigung um vorzuglühen und in den Freitagabend zu führen. Auf der anderen Seite ist es auch familienverträglicher denn wir haben auch viele Eltern die erstmals in Kontakt kommen, mit dem was ihre Kinder machen. Das Publikum hat sich also weiterentwickelt und es spricht eine größere Masse an.

Also nutzen sie das es auch zur Öffentlichkeitsarbeit, um zu zeigen, dass Computerspieler keine Freaks sind, die im Keller sitzen?

Klar nutzen wir das iFNG auch als Werbung für den eSport, denn es gibt kaum eine bessere Möglichkeit dafür Werbung zu machen, woran wir tagtäglich auch online arbeiten. Wir leisten jedes Mal eine sehr große Pressearbeit und laden die Lokalmedien ein und oft sind dann auch ARD, ZDF und RTL mit dabei. Bei uns hat man das perfekte Beispiel, dass eSportler normale Jugendliche sind, die einer Freizeitbeschäftigung nachgehen und das Ganze zu einem Sport entwickelt haben. Deswegen ist es ein klares PR-Tool für uns.

Sie sind ab der dritten Saison in andere Städte gegangen. Wie kam es zu der Entscheidung?

Nach den ersten zwanzig iFNGs in Köln haben wir uns in der dritten Saison gesagt, wir machen vier iFNGs in Köln und dann – großes Risiko – drei in anderen Städten. Das war auch ein wirkliches Risiko, denn im Köln hatten wir uns einen Besucherstamm aufgebaut, der in den anderen Städten noch fehlte. Aber Turtle Entertainment wäre nicht Turtle, wenn wir nicht jedes Mal in neue Gewässer gehen würden, mit dem festen Glauben, dass wir erreichen, was wir uns vornehmen. Somit haben wir dann langsam angefangen die Republik zu erobern. Wir wollen eSport nicht nur für Köln machen, auch wenn wir mit Stolz ein Kölner Unternehmen sind, sondern für Deutschland und die Welt. Mittlerweile sind wir aus Deutschland heraus und machen Extreme Masters iFNGs in Moskau, Stockholm oder Paris. Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir nach Peking gehen. (schmunzelt)

Sie sagten, dass es früher privater war. Heute sagen viele, dass die Distanz zwischen den Veranstaltern und Spielern auf der einen und den Zuschauern auf der anderen Seite aufgrund der Dimensionen größer geworden sei. Wie empfinden sie das?

Natürlich kann ich nur von mir ausgehen. Ich glaube, ich bin immer ansprechbar und das hat sich bei mir nie geändert. Selbst wenn ich im Stress bin oder als ich noch moderierte, habe ich immer Rede und Antwort gestanden, sofern ich die Zeit dazu hatte. Das kann ich auch auf das gesamte Team übertragen. Vielleicht denkt man sich eher, dass es diese Distanz gibt, weil alles so groß ist, aber in Wirklichkeit kann man auf jeden zugehen und versuchen ins Gespräch zu kommen. Mir persönlich ist es auch ein Anliegen, dass wir diesen Charakter nicht verlieren, deshalb werfe ich auch immer selber ein Auge darauf. Wir sind zwar groß und werden auch immer größer, aber es soll auch immer noch den Charakter haben, dass man zusammen einer Freizeitbeschäftigung nachgeht.

Inwiefern hat das iFNG Einfluss auf den Starstatus eines Teams?

Es wachsen momentan viele junge Leute auf, die fünfzehn oder sechzehn sind und für die ein Intel Friday Night Game schon etwas etabliertes ist. Dabei geht es nicht mehr nach dem Motto: „Ich gehe mal da hin und helfe ihnen, dass es etwas Großes wird“, sondern die erleben das Ganze auch im Fernsehen oder lesen in der Presse davon. Dann kommen sie auf ein Event und erleben die Leute live, was immer etwas anderes ist, als wenn man es nur im Fernsehen sieht. Ich glaube, es gibt sonst kaum eine Veranstaltung, die Stars so sehr kreieren kann, wie ein iFNG. Hier hat man die Nähe zu den Zuschauern, man erlebt den Spieler live, man kann mit ihnen sympathisieren oder auch oder auch umgekehrt und auch solche Freundschaften oder Feindschaften gehören natürlich zum Fankult. Insofern schafft man wie gesagt eine Nähe, die es sonst nirgends gibt.

Sie haben sich nach der hundersten Veranstaltung dazu entschlossen die Moderation an den Nagel zu hängen. Bevor wir dazu kommen, wie sind sie eigentlich zur Moderation gekommen?

Das weiß ich noch ziemlich genau. Mit sechzehn, siebzehn habe schon immer nebenbei ein bisschen moderiert und es ausprobiert, aber nie auf dem Level. Im Jahr 2001 haben wir dann im Future Point - man mag es kaum glauben - eine Clanbase Veranstaltung durchgeführt. Das war noch vor den Intel Friday Night Games. Dort haben wir das NationsCup Finale zwischen Deutschland und Schweden (Anm. d. R.: Schweden gewann damals) gezeigt. Das Ganze war ein Projekt von mir, als ich bei Turtle Entertainment in den Startlöchern stand. Damals habe ich gesagt, dass ich das Spiel zuschauernah zeigen will und die Jungs haben gesagt: „Gut, dann mach das mal.“ Daraufhin haben wir eine Location gesucht und ich weiß noch, wie ich mit Jens Hilgers im Future Point war und den Leute erklärt habe, was wir eigentlich vorhaben. Da haben die nicht schlecht gestaunt (lacht) und wir haben die Begegnung dann organisiert. Es war das allererste Mal, dass wir Leute eingeladen haben, die nicht zum spielen, sondern nur zum zuschauen gekommen sind. Das Team Germany hat aus dem Future Point gegen Schweden gespielt und wir haben auch Vorinterviews und so weiter durchgeführt. Damals gab es noch die Rivalität zwischen Schweden und Deutschland und es war ein richtiges Starspiel, in dem noch ein bds, Potti oder Heaton gespielt haben. Eigentlich habe ich damals alles gemacht, also die Interviews geführt und das Spiel kommentiert, obwohl ich davor eigentlich nur ein, zwei Mal bei Gamer-TV moderiert habe. Wir haben aber gesehen, dass dieses Konzept funktioniert und es waren auch auf Anhieb 200 bis 250 Leute dort. Ab da haben wir gesehen, dass ein solches Event funktioniert und so hat es seinen Weg in die Pro Series gefunden.

Was hat sie danach weiterhin am Moderieren fasziniert?

Darüber haben wir intern nicht viel geredet, sondern es war klar, dass ich weiter moderieren würde. Was mich daran fasziniert hat war, dass ich mit dem was ich sage oder nicht sage den Menschen das Spiel vermitteln kann. Damals war wie gesagt der Pioniercharakter noch recht groß und man will den Leuten einfach ein gutes Gefühl darüber geben, was man dort sieht und das heißt, dass das Ganze an Nüchternheit verlieren und Leidenschaft gewinnen muss. Das habe ich versucht zu transportieren. Jedes mal das Feedback aus den Zuschauerreihen zu bekommen, ein geiles Spiel kommentiert zu haben, in dem das Adrenalin fließt, ist für mich heute noch ein Lebenselixier. Ich mache es immer noch gern und bei einem richtig guten Spiel geht mir das Herz auf.

Sie haben zu ihrem Abschied gesagt, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist. Waren sie nach der langen Zeit in gewisser Weise auch ausgebrannt oder haben sie sich wirklich auf ihrem Höhepunkt verabschiedet?

Man muss sehen, dass hundert Events in vier Jahren eine ganze Menge sind und ich habe kein einziges ausgelassen. Das heißt, man kann sich auch denken, wie viel Urlaub dazwischen war - nämlich gar keiner. Selbstverständlich habe ich gespürt, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem man sich nicht mehr verbessern kann. Ab da muss man sich einfach neu orientieren und etwas Neues machen. Es ist ganz schwer sich das einzugestehen und viele Leute verpassen diesen Zeitpunkt und dann würde man sie am liebsten nur noch loswerden und die Zuschauer haben einen satt, weil man sich nicht mehr so motivieren kann. Es war niemals mein Zweck, dass heißt das Intel Friday Night Game gibt es nicht wegen mir, sondern ich war Mittel zum Zweck um das Ganze möglichst erfolgreich zu gestalten. Ich habe gespürt, ich bin `On top of my Game´, aber wenn ich es jetzt übergebe, dann gibt es die Chance noch mal neue Konzepte auszuprobieren und das Ganze weiterzuentwickeln. Das war für mich mit der Hauptgrund, warum ich mich so entschieden habe.

Wohin wollen sie sich jetzt entwickeln?

Da warten tausend Aufgaben, denn der eSport ist noch lang nicht zu Ende entwickelt und es gibt noch viele Sachen, die man machen kann. Momentan habe ich viele Projekte, unter anderem den eSport Award, den ich ins Leben gerufen habe. Den möchte ich auf ein ganz neues Level heben, also gibt es dort noch vieles zu machen. Ansonsten kümmere ich mich im Turtle-Alltag um Sales und Marketing, dass bedeutet die Liga weiter zu entwickeln, Partner zu gewinnen und das ist schon eine recht tag- und abendfüllende Aufgabe, in der ich mich sehr gut aufgehoben fühle. Aber sag niemals nie, wenn es mich irgendwann vielleicht wieder juckt und etwas interessantes vor der Tür steht, dann denke ich kann man vielleicht noch mal T-Shirts werfen. (lacht)

Wenn sie einmal träumen dürften: Wo ist das Intel Friday Night Game in fünf Jahren?
Kölnarena. Das ist ganz klar unser Ziel. Wir formulieren ganz gerne hohe Ziele und das mag für einige utopisch klingen, aber wenn wir sehen welches Wachstum wir jetzt hinter uns habe, gibt es kaum eine andere Sportart oder Event, dass so kontinuierlich wächst. Manche Sachen kommen einfach und bleiben dann eine zeitlang, aber dann fallen sie wieder ab oder sind ganz weg. eSport hingegen wächst und wächst einfach weil es von einem Seitenphänomen hin zu einem Massenphänomen geworden ist. Ich glaube damit haben wir wirklich das Potenzial eine Kölnarena, und wenn auch nur zur Hälfte, zu füllen. Das muss nicht mit einem normalen Intel Friday Night Game sein, sondern vielleicht ist es ein Extreme Masters iFNG mit einer internationalen Partie, denn die ziehen noch mal ein bisschen mehr. Aber trotzdem mousesports gegen aTTaX in der Kölnarena in fünf Jahren, das wünsche ich mir.

Dann wünschen wir ihnen viel Erfolg dabei und vielen Dank für das Gespräch.


Das Gespräch führten Gangboy & edshirt



Comments

#1
Old 26.05.07 23:22
Benutzerbild von tyler durden

tyler durden

Posts 336
Schönes Interview
#2
Old 27.05.07 15:01
Benutzerbild von F$

F$

Posts 257
Achja, wie die Zeit vergeht...


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